Ein Blick auf die Preisentwicklung im vergangenen Jahr verdeutlicht, dass die Lebenshaltungskosten in Deutschland gegenüber dem Vorjahr um 2,0 Prozent gestiegen sind. Neben den Erhöhungen der Tabaksteuer und der Kraftfahrzeugsteuer sind vor allem die Energiepreise für die Beschleunigung der Preisentwicklung verantwortlich. Hingegen hat der Einzelhandel insgesamt einen deutlich dämpfenden Einfluss auf die Preisentwicklung ausgeübt. So stiegen 2005 die Preise im Einzelhandel (inkl. Kraftfahrzeughandel und Tankstellen) lediglich um 0,7 Prozent sowie bei Nahrungs- und Genussmitteln um nur 1,0 Prozent an.
Nahrungsmittel wirken Teuerung entgegen
In spezifischer Betrachtung wird deutlich, dass der Bereich "Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke" mit einem Preisanstieg von lediglich 0,5 Prozent im vergangenen Jahr wieder die langjährige Funktion einer "Inflationsbremse" einnahm. Bei Fokussierung einzelner Teilsegmente wird klar, dass besonders die Preise für Nahrungsmittel mit einem Minus von 0,1 Prozent einer allgemeinen Teuerung entgegenwirkten. Während Preisanstiege bei Kaffee, Tee und Kakao (plus 8,2 Prozent) sowie bei Tabakwaren (plus 14,0 Prozent) - letzterer induziert durch die mehrmalige Erhöhung der Tabaksteuer - zu verzeichnen waren, gingen die Preise für Molkereiprodukte und Eier (minus 1,2 Prozent) sowie Speisefette und -öle (minus 2,6 Prozent) merklich zurück.
Erträge konstant unter Druck
Der Druck auf die Erträge im Lebensmittel-Einzelhandel hielt auch im Jahr 2004, auf das sich der jüngste Betriebsvergleich des Institutes für Handelsforschung (IfH), Köln, bezieht, in unverminderter Härte an. Die Unternehmen des mittelständischen Lebensmittel-Einzelhandels (ohne Filialsysteme) kamen in Westdeutschland auf ein Ergebnis vor Steuern von lediglich plus 0,3 Prozent vom Umsatz. Dies bedeutet einen Rückgang um 0,1 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Günstiger dürfte sich die Situation bei einigen Großunternehmen des Lebensmittel-Einzelhandels darstellen. Insbesondere den Discountern wird eine wesentlich höhere Kapitalrendite als den Unternehmen des mittelständischen Lebensmittel-Einzelhandels zugesprochen.
Anhaltender ruinöser Preiswettbewerb
Im zurückliegenden Jahr war in vielen Sortimentsbereichen wieder knallharter, ruinöser Preiswettbewerb das von den Unternehmen bevorzugte Marketinginstrument mit entsprechenden Auswirkungen auf die betriebswirtschaftliche Situation der Geschäfte wie auch auf die Branchenstruktur des Lebensmittel-Einzelhandels selbst. Im Jahr 2005 erhöhte sich der Anteil der Discountmärkte an den Vertriebslinien um beachtliche 1,3 Prozent, die der großflächigen Vertriebstypen ab 1.500 qm Verkaufsfläche um immerhin noch 0,3 Prozent. Die Anteile an den Vertriebslinien insgesamt stiegen bei den Discountern entsprechend von 24,5 auf 25,8 Prozent und bei den Hypermärkten von 5,3 auf 5,6 Prozent. Großflächen und die Discounter stellten damit im vergangenen Jahr rund 31,4 Prozent der Geschäfte in Deutschland. Dieser Zunahme steht eine Abnahme um 1,6 Prozent bei den kleineren Vertriebsformen gegenüber, wobei einzig die kleinen Verbrauchermärkte (800 bis 1.500 qm) ihre Geschäftsanteile um 0,1 Prozent ausbauen konnten. Insgesamt waren im vergangenen Jahr per Saldo 2.184 Geschäfte (minus 3,7 Prozent) von der Abschmelzung betroffen.
Discounter nahe 40 Prozent
Charakteristisch für die Situation der Branche ist die weiterhin zunehmende Dominanz des Discountbereiches, der im vergangenen Jahr 39,7 Prozent der Umsätze auf sich vereinigte. Dies entspricht einem anteiligen Umsatzzuwachs von 0,5 Prozent. Weitere 29,4 Prozent entfallen auf die Großflächen ab 1.500 qm und magere 30,9 Prozent verbleiben für die übrigen 39.247 Geschäfte – rund 69 Prozent aller Vertriebseinheiten.
Konzentration wieder beschleunigt
Im Jahr 2005 schritt die Konzentration der gesamten Branche mit Tempo voran. Die marktbestimmenden Top 8 Handelsgruppen erreichten einen Marktanteil von 98,1 Prozent im vergangenen Jahr. Auf Unternehmensebene konnten die TOP 5 des Lebensmittelhandels (Edeka, Metro, Rewe, Schwarz und Aldi) ihren gemeinsamen Marktanteil auf 68,7 Prozent massiv ausbauen. Den TOP 5 folgten die fünf Unternehmen KarstadtQuelle, Tengelmann, Lekkerland, Schlecker und Globus, die mit teilweise deutlichen Einbußen noch einen gemeinsamen Marktanteil von 16,9 Prozent verzeichnen konnten, so dass das Gewicht der TOP 10 mit 85,6 Prozent Marktanteil deutlich unter dem Wert des Vorjahres liegt. Insgesamt wurden von den 30 Unternehmen des deutschen Lebensmittelhandels etwa 98,1 Prozent des Branchenumsatzes erwirtschaftet. Mit dem mageren 1,9 Prozent Restanteil mussten sich die übrigen noch etwa 70 Unternehmen begnügen.
Globalisierung contra Verdrängung
Besonders in Deutschland resultiert Konzentration aus der Enge und Sättigung der Marktlandschaft und der anhaltenden Verbraucherzurückhaltung, auf die die Branche fast ausschließlich mit aggressivem Preiswettbewerb reagiert. Dieser Preiskampf, angeheizt durch den hausgemachten Flächenüberhang, führt letztlich zum Verdrängungswettbewerb zwischen Unternehmen und Vertriebsformen. In der Globalisierung sehen viele Unternehmen einen Weg, diesem Verdrängungswettbewerb zu entgehen. Dies erfordert jedoch zunächst eine gefestigte Position im heimischen Markt als Ausgangsbasis für ein "Global Playing". Auch deutsche Lebensmittel-Einzelhändler spielen im internationalen Wettbewerb eine zunehmend bedeutende Rolle. So erwirtschaften die Top sechs Unternehmen bereits über ein Drittel ihres Gesamtumsatzes außerhalb des Heimatmarktes.
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